Independent Publishing -

E-Book und Print on Demand selbst veröffentlichen

Tipps und Tricks für Selbstverleger, Teil 1 (September 2013)


 

Um es vorweg zu sagen: Ich habe auch weiterhin vor, meine Romane über etablierte Verlage herauszubringen, schon allein, weil ich nicht an meinen wichtigsten Partnern, den Buchhändlern, vorbei veröffentlichen möchte. Im Übrigen bin ich Autor geworden, um Geschichten zu schreiben, und nicht, um den Tag mit Vertrieb und Marketing zu verbringen. Es gibt allerdings Bereiche, die für Verlage weitgehend uninteressant sind – vergriffene Werke zum Beispiel, Bücher mit Nischenthemen, Kurzgeschichten, Lyrik –; hier halte ich Independent Publishing für eine wundervolle Ergänzung.

Bei ersten Erkundigungen zu den Möglichkeiten, Geschichten selbst zu verlegen, hat mir so mancher Erfahrungsbericht im Internet unnötige Umwege erspart, deshalb möchte ich mich auf diesem Wege revanchieren und nun meine Erfahrungen an künftige Independent Publisher weitergeben.

 

Vertriebswege für E-Books

Als erste Veröffentlichung habe ich eine Kurzgeschichte mit dem Titel „Unberührbar“ vorgesehen, die mir sehr am Herzen liegt, zudem eignet sich vermutlich ein kurzes Werk gut als Einstieg. Zunächst gilt es, sich für den richtigen Vertrieb zu entscheiden. Es existieren zahllose Shops, die unabhängige E-Books anbieten: Amazon, Apple, Sony, Weltbild, Thalia etc., daher stellt sich die Frage: Will ich die alle einzeln beliefern? Nein. Oder mich auf Amazon als vermutlich wichtigstem Anbieter beschränken? Doch damit würde ich Chancen verschenken, nicht wahr? Also komme ich zu dem Schluss, mir einen Dienstleister zu suchen, der den Vertrieb an die E-Book-Shops übernimmt.

Weil ich nicht weiß, ob ich mit diesem neuen Erwerbszweig jemals auch nur einen Cent verdiene, bin ich zwar bereit, Zeit und Energie zu investieren, aber kein Geld, weder für Anmeldegebühr noch für Formatierung, Vertrieb oder sonst etwas. Das Erfreuliche: Es gibt eine ganze Reihe Anbieter, die diese Kriterien erfüllen, und so hat man denn auch die angenehme Qual der Wahl. Ich stürze mich also in die Details und vergleiche.

In vielen Punkten ähneln sich die Distributoren, etwa darin, dass man alle Rechte an seinem Werk behält und täglich kündigen kann. Dass es möglich ist, sein Werk auch nachträglich noch zu aktualisieren. Dass es genügt, sein Werk als Word-Dokument hochzuladen, weil der Anbieter anschließend die Konvertierung in die unterschiedlichen E-Book-Formate (von denen es nicht wenige gibt) übernimmt.

Ein wichtiges Kriterium ist für mich, eine kostenlose ISBN-Nummer zu erhalten (diese selbst zu kaufen, ist unverhältnismäßig teuer), weil beispielsweise Sony oder Apple das E-Book andernfalls nicht übernehmen werden. Ich entscheide mich deshalb für Neobooks, ein Anbieter, der zum Holtzbrinck-Konzern gehört. Xinxii, von denen ich ebenfalls Gutes gehört habe und die deshalb für mich in der näheren Auswahl standen, bieten diese Möglichkeit nicht. Zudem zahlen sie nur vierzig Prozent Tantiemen vom Nettoverkaufspreis, sofern das Werk unter 1,99 Euro kostet, und für Kurzgeschichten, wie ich sie zunächst veröffentlichen möchte, kann man meines Erachtens nicht mehr als 0,99 Euro verlangen. Selbst Xinxiis Vorteil, dass man über sie auch Bücher mit Bildern im Innenteil erstellen kann, zieht nicht mehr, da Neobooks dies inzwischen testweise als Beta-Version anbietet.

Eigentlich hatte ich vor, zusätzlich auch über Smashwords zu veröffentlichen, ein US-Anbieter, der mir empfohlen wurde (es ist bei den meisten Dienstleistern möglich, einzelne Shops vom Vertrieb auszuschließen, so dass die sich nicht gegenseitig ins Gehege kommen). Doch obwohl mein Englisch nicht schlecht ist, muss ich spätestens bei den Anmerkungen zum amerikanischen Steuersystem die Waffen strecken (ich verstehe ja nicht mal das deutsche) und beschließe deshalb, lieber die Finger davon zu lassen. Es ist den Aufwand nicht wert. Die wichtigsten Shops sind ohnehin durch Neobooks abgedeckt.

 Abstraktes Bild (Öl)

Textformatierung

Vor der Formatierung meiner Kurzgeschichte habe ich den größten Horror, weil ich gehört hatte, HTML-Kenntnisse seien vonnöten. Das hat sich zum Glück inzwischen überholt, und tatsächlich ist dies der unproblematischste Teil der Angelegenheit. Einige wenige Regeln gilt es zu beachten: Keinen Blocksatz verwenden, da die Leser von E-Books ja ihre Schriften unterschiedlich groß einstellen, das bedeutet: den Text linksbündig setzen. Möglichst mit Formatierungen arbeiten statt etwa bestimmten Textteilen die Befehle „fett“ oder „zentriert“ zuzuweisen (wobei z.B. Neobooks damit wohl keine Probleme hat. Ich gehe trotzdem lieber auf Nummer Sicher). Den Erstzeileneinzug eines Absatzes über den entsprechenden Befehl unter Format – Absatz eingeben und nicht per Tabulator oder gar durch Leertasten herstellen. Möglichst keine Sonderzeichen verwenden. Über Extras – Optionen die Anzeige der nicht druckbaren Zeichen einschalten, um zu überprüfen, ob Word mal wieder sinnlose Dinge tut, die man ihm nicht befohlen hat. Selbstverständlich keine Kopf- oder Fußzeilen und keinen manuellen Seitenwechsel verwenden. Das war’s im Wesentlichen schon.

Allerdings habe ich ein Problem. Da ich natürlich möchte, dass mein Text so professionell wie möglich aussieht, hätte ich gern die hässlichen Anführungszeichen von Word durch die im deutschen Buchsatz üblichen französischen Anführungszeichen (Guillemets) ersetzt. Das geht jedoch nur über Sonderzeichen. Zum Glück hat Neobooks ein weiteres Plus: eine Servicehotline, und zwar mit ganz normaler Festnetznummer. Zu Bürozeiten erreicht man dort eine nette Dame (und man erreicht sie wirklich spätestens beim dritten oder vierten Versuch), die einem alle Fragen beantwortet. In meinem Fall lautet die Antwort, dass ich die gewünschten Anführungszeichen verwenden darf, ohne dass sie Probleme verursachen.

Also, Text abspeichern, hochladen, und schon nach wenigen Minuten kann man sich das Ergebnis als Epub-Datei ansehen. Wer keinen E-Book-Reader besitzt, kann sich kostenlos die Adobe Digital Editions, die einen E-Book-Reader simuliert, herunterladen und auf dem Computer installieren.

 

 

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