Independent Publishing -

E-Book und Print on Demand selbst veröffentlichen

Tipps und Tricks für Selbstverleger, Teil 3 (September 2013)


 

Der richtige Anbieter für Print on Demand

Das E-Book war der leichte Teil der Arbeit. Weil ich aber nun mal ein Freund des gedruckten Buches bin, möchte ich unbedingt, dass meine Kurzgeschichte auch in Printform vorliegt, obwohl mir natürlich klar ist, dass ich hier keinen günstigen Verkaufspreis erzielen kann. Also recherchiere ich wieder. Die alteingesessenen PoD-Verlage scheiden von vornherein aus, zum einen verlangen sie zumeist Vorabgebühren, zum anderen ist das einzelne Buch am Ende wie befürchtet viel zu teuer und lässt sich nicht mehr seriös kalkulieren.

Von Epubli (ebenfalls Holtzbrinck) hatte ich schon gehört, ein näherer Blick macht mir allerdings klar, dass auch dieser Anbieter keine Alternative ist. Zwar kann man sein Buch zu einem erschwinglichen Endpreis und ohne Vorkosten im Epubli-Shop publizieren, wenn man es jedoch über Wege veröffentlichen möchte, die einem auch Leser garantieren, sprich: über Amazon, wird eine Jahresgebühr von 19,95 Euro fällig, nur auf diese Weise bekommt man die nötige ISBN. Außerdem muss ein Buch mindestens sechsunddreißig Seiten haben und würde dann 4,39 Euro kosten – viel zu teuer.

Des Weiteren gibt es Lulu; nicht uninteressant, aber ein US-Anbieter mit entsprechend langen Lieferzeiten, wie ich höre. Und wieder gibt es eine Mindestseitenzahl, diesmal vierzig. Nein, das macht alles keinen Sinn. So langsam befürchte ich, dass ich meine Hoffnung, meine Kurzgeschichte auch als Druckwerk zu veröffentlichen, begraben muss.

Doch dann höre ich von CreateSpace. Dort kann man ebenfalls kostenlos und zu einem fairen Endpreis veröffentlichen, ohne Mindestseitenzahl, und das Beste: CreateSpace gehört zu Amazon, damit ist der entscheidende Vertriebsweg frei! Dass die Website ausschließlich in Englisch ist (Lulu hat immerhin eine deutschsprachige Website), ist bedauerlich, aber nicht weiter schlimm, weil leicht verständlich. Einen Wermutstropfen gibt es dennoch: CreateSpace unterstützt kein Hardcover, gerade für Kinderbuchautoren ein echtes Manko. Aber für mich im Augenblick nicht weiter relevant.

 Abstraktes Bild (Öl)

Textformatierung

War die Textformatierung als E-Book unkompliziert, so geht es jetzt ans Eingemachte, denn jetzt gilt es, einen Text in Word so zu formatieren, dass er als professioneller Buchdruck durchgeht.

CreateSpace offeriert „Templates“, das heißt: vorformatierte Word-Dateien, in die man nur noch seinen fertigen Text hineinzugeben braucht. Hierzu muss man zunächst angeben, welches Format das Buch später haben soll – man kann aus über einem Dutzend verschiedener Formate wählen. Leider sind die Angaben durchweg in Zoll gehalten, doch lässt sich eine Umrechnung leicht über eine Suchmaschine herausfinden.

Text kopieren, ins „Template“ einfügen, und mit etwas Glück sieht das Ganze schon recht ordentlich aus. Bei mir ist das nicht der Fall. Halbe Seiten bleiben leer, und ich vermutete nicht zu Unrecht, dass irgendeine vertrackte Absatzeinstellung schuld daran ist. Tatsächlich. Warum auch immer (ich habe dergleichen nicht eingegeben), es ist „Absätze nicht trennen“ aktiviert. Dieses lässt sich zum Glück unter Format – Absatz – Textfluss leicht korrigieren, und wahrhaftig – uff! –, der Text erscheint nun so, wie er soll.

Oder doch nicht. Dass rechte und linke Seiten unterschiedlich ausfallen, ist zwar korrekt, weil Innen- und Außenränder unterschiedlich breit sind, aber mir scheinen die Unterschiede asymmetrisch. Oder trügen mich meine Augen? Nein, sie trügen nicht. Denn sobald ich mir die Absatzformatierung genauer ansehe, feststelle, dass es einen bezifferten linken Einzug gibt und diesen auf Null setze, fällt plötzlich alles an seinen Platz.

Als nächstes mache ich mir Gedanken über die Schriftart. Natürlich soll es eine Serifenschrift sein, wie es üblich ist im Buchdruck, weil sich die kleinen Querstriche am Ende der Buchstabenbalken als leseerleichternd herausgestellt haben. Ich bin ein Fan von Garamond, entscheide mich aber dennoch für die gute alte Times New Roman, die als Standardschrift in Word möglicherweise weniger Probleme bereitet. Als Schriftgröße halte ich 10-Punkt für angemessen. Blocksatz versteht sich von selbst, als Erstzeileneinzug finde ich 0,5 cm gerechtfertigt (Format – Absatz – Einzüge und Abstände – Erste Zeile: 0,5 cm). Bei zentrierten Passagen wie Überschriften nehme ich den Erstzeileneinzug selbstverständlich heraus, sonst wären die Zeilen ja nicht zentriert, sondern um 0,5 cm nach rechts versetzt.

Der Abstand zwischen den Zeilen erfordert die Methode Versuch-und-Irrtum und ein gutes Augenmaß. Ein einfacher Abstand wäre zu wenig, ein 1,5-facher zu viel. Bei einer Times New Roman in 10-Punkt sieht für mich ein Abstand von 13-Punkt ziemlich gut aus, also: Format – Absatz – Einzüge und Abstände – Zeilenabstand: Genau – Maß: 13pt.

Kommen wir zum Beginn des Buches. Bei den Verlagen hat sich folgender Einstieg durchgesetzt: Seite 1 ist der sogenannte „Schmutztitel“, das heißt, bis auf Autorenname und Titel bleibt die Seite weiß. Seite 2 wird entweder frei gelassen oder mit einer Widmung versehen, auch eine Autorenbiografie ist möglich. Auf Seite 3 folgt dann der eigentliche Titel. Auf Seite 4 finden wir das Impressum, das die ISBN enthalten sollte. Und auf Seite 5, also einer rechten Seite, geht es dann mit der Geschichte los (es sei denn, man benötigt vorher noch ein Inhaltsverzeichnis, in dem Fall verschiebt sich das Ganze noch mal um zwei Seiten).

Und hier beginnt das Drama: die Seitenzahlen. Im professionellen Buchdruck werden Schmutztitel, Impressum etc. zwar mitgezählt, aber nicht nummeriert. Und wenn man möchte, dass das eigene Buch professionell aussieht, sollte man sich daran halten. Leider hat Word aus unverständlichen Gründen keine Funktion hierfür vorgesehen, so dass ich mich mit einem Trick behelfen muss. Ans Ende von Seite 4 füge ich einen Abschnittswechsel ein: Einfügen – Manueller Umbruch – Abschnittswechsel: Nächste Seite. In der Kopf- und Fußzeile ab Seite 5 deaktiviere ich „Wie vorige“ und klicke dann auf „Seitenzahl einfügen“, wobei ich diese anschließend so formatiere, dass die Zahlen auf den rechten Seiten rechts außen und auf den linken Seiten links außen stehen. Wenn jetzt alles stimmt und die Seitenzahlen tatsächlich mit der Nummer 5 rechts außen beginnen, ist die härteste Hürde genommen.

Nun gilt es, die Silbentrennung zu überprüfen. „Automatische Silbentrennung“ habe ich natürlich aktiviert, allerdings kommt es vor, dass Word ein Wort falsch trennt. Dann bleibt einem nur, über „Manuelle Trennung“ eine andere Trennung einzugeben und diese zu bestätigen. Falls daraufhin nichts geschieht, weil die Zeile für diese Trennung zu kurz ist, oder falls überhaupt keine Trennung erwünscht ist, bleibt wieder nur ein Trick: Das betreffende Wort markieren – Extras – Sprache – Sprache festlegen – Rechtschreibung und Grammatik nicht prüfen.

Als nächstes will ich unschöne „Schusterjungen“ und „Hurenkinder“ entfernen. Die Begriffe stammen aus der Setzersprache und bezeichnen einzelne Zeilen am Ende oder Anfang einer Seite. Während ich Schusterjungen, also einzelne Zeilen am Ende einer Seite, – in Maßen – akzeptabel finde, weil es sich ja zumindest immer um eine vollständige Zeile handelt, gehen drei, vier Worte am Anfang einer Seite gar nicht. Hier bleibt leider nichts, als zu versuchen, durch eine zusätzliche Absatzmarke oder das Zusammenführen von zwei Absätzen auf der Seite davor eine Zeile zu gewinnen oder zu verlieren. Die anderen Möglichkeiten – den Text umzuformulieren oder zu versuchen, für diesen Absatz die Silbentrennzone zu verändern, so dass Word die Zeilen staucht oder in die Länge zieht – kommen nicht infrage. Ersteres finde ich indiskutabel, Letzteres führt meist zu keinem schönen Ergebnis.

Endlich sieht der Text so aus, wie er aussehen soll. Als kleines Extra füge ich noch eine verkleinerte schwarz-weiß Version des Covers auf Seite 3 unter den Titel ein, um das Ganze abzurunden. Doch was ist das? Das Bild erscheint lediglich als Balken, und wie sehr ich auch fluche, wo ich auch klicke und in die Länge zu ziehen versuche, nichts tut sich. Das ändert sich erst, als ich das Internet durchforste und nach mühevoller Suche herausfinde, wie ich das Problem lösen kann: indem ich das Bild anklicke – Format – Grafik – Rechteck wähle. Und siehe da: Es funktioniert!

Nun noch schnell das Ganze als .pdf abgespeichert, in höchster Qualität und natürlich unbedingt mit „Schriften einbetten“, dann ist der Innenteil fertig.

 

Wer neugierig geworden ist - hier geht es zu "Unberührbar".

 

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