Die Ermordung von Walther Rathenau


Walther Rathenau

Walther Rathenau, geb. 29. September 1867 in Berlin, ältester Sohn des AEG-Gründers Emil Rathenau, sorgt als Wirtschaftssachverständiger, später Außenminister, maßgeblich für eine Politik der Entspannung gegenüber Deutschlands ehemaligen Kriegsgegnern des 1. Weltkriegs. Da die deutsche Regierung gezwungen ist, die erdrückenden Reparationsforderungen der Alliierten zu akzeptieren, werden Rathenau und andere Politiker von nationalistischen Kreisen, die sich weigern, die Realität des verlorenen Krieges zur Kenntnis zu nehmen, als „Erfüllungspolitiker“ verunglimpft. Auch Antisemitismus spielt bei den hasserfüllten Parolen seiner Feinde eine Rolle.

Rathenau steht auf einer Todesliste der Organisation Consul. Kapitän Ehrhardt, der Führer der OC, hat seine Lehren aus dem gescheiterten Kapp-Putsch gezogen und vertritt nun eine Provokationsstrategie, die darauf abzielt, demokratisch gesinnte Politiker und andere Personen des öffentlichen Lebens zu ermorden, in der Hoffnung, dadurch Arbeiter, Gewerkschaften und Kommunisten zu einem Aufstand zu bewegen, diesen sodann mit der Reichswehr niederzuschlagen und sich selbst an die Macht zu bringen.

Am 24. Juni 1922 gegen 10 Uhr 50 bricht Rathenau mit Wagen und Chauffeur von seiner Villa in der Königsallee zum Auswärtigen Amt auf, trotz schlechten Wetters mit offenem Verdeck. An der S-Kurve Ecke Erdener Straße, an der der Chauffeur langsamer fahren muss, schließt plötzlich ein verfolgendes Fahrzeug auf. Aus dem fahrenden Auto heraus wird mit einer Maschinenpistole auf Rathenau geschossen. Fünf Kugeln treffen ihn; bereits die erste, die Wirbelsäule und rechten Lungenflügel durchbohrt, ist tödlich. Eine geworfene Eierhandgranate zerfetzt die Finger seiner linken Hand und zertrümmert Knochen seines rechten Fußes.

Rathenaumörder Erwin Kern   Rathenaumörder Hermann Fischer

Die Mörder, der 23jährige Erwin Kern und der 26jährige Hermann Fischer, werden nach langer Verfolgung am 17. Juli auf Burg Saaleck gestellt. Kern wird von einer Polizeikugel getötet, Fischer begeht Selbstmord. Der Fahrer des Attentatswagens, Ernst Werner Techow, wird gefasst und zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Die kolportierte Geschichte, wonach er später, von Gewissensbissen geplagt, Hunderte von Juden vor den Nazis gerettet haben soll, hat Martin Sabrow vom Zentrum für Zeithistorische Forschung in einem Aufsatz in Alexander Demandt: „Das Attentat in der Geschichte“ widerlegt.

Quelle: Martin Sabrow: Die verdrängte Verschwörung (Fischer, Franfurt am Main, 1999)

Lesetipp: Authentisch und spannend werden diese Ereignisse in dem Kriminalroman „Organisation C.“ (Sutton Verlag, Erfurt, 2007) beschrieben.

Tatort des Mordes an Walther Rathenau


 

Serie: Weimarer Republik / Zwanziger Jahre / 20er Jahre (5): Der Mord an Walther Rathenau

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