Berliner Unterwelten


Auch lange vor Luftschutzbunkern und Fluchttunneln tat sich vieles unter der Oberfläche Berlins. Es gab ausgedehnte Kelleranlagen aufgegebener Brauereien und die Rohrpost, blinde U-Bahnhöfe und natürlich die Kanalisation. Im Zuge meiner Recherchen zu „Schwarzer Donnerstag“ habe ich mich unter die Erde begeben, um mir die Sache näher anzusehen.

Genau genommen bin ich zunächst noch oben geblieben und habe mir im Museum für Kommunikation Relikte der Rohrpostanlagen zeigen lassen. Auf dem Höhepunkt ihrer Ausbreitung (1944) wurden über eine Länge von 245 Kilometern mittels Luftdruck Telegramme, Postkarten und Briefe durch Rohre unter dem Straßenpflaster verschickt, gut 26 Millionen Sendungen pro Jahr. Dabei hat man die Technik immer weiter verfeinert, bis schließlich die Beförderungsbehälter selbsttätig ihre Weichen auswählen konnten, um ans gewünschte Zielpostamt zu gelangen, indem durch die Einstellung von Metallringen auf den Büchsen ein entsprechendes magnetisches Feld erzeugt wurde.

Toter U-Bahnhof unter der U8 am Moritzplatz, Berlin

Ein Mitarbeiter der Berliner Verkehrsbetriebe ermöglichte mir den Besuch des toten U-Bahnhofs unter der U8 im Bahnhof Moritzplatz. Beim Bau der U-Bahnen hat man nämlich häufiger Bahnhöfe und Tunnel für später geplante Erweiterungen mit errichtet, um künftig Kosten zu sparen. Einige dieser Pläne wurden jedoch aufgegeben oder erfuhren eine veränderte Streckenführung, sodass diese Bahnhöfe nie genutzt wurden. Der Moritzplatz war ursprünglich als Umsteigebahnhof gedacht, eine Linie von Moabit zum Görlitzer Bahnhof sollte die U8 hier kreuzen.

Und schließlich durfte ich mir auch den Abwasserkanal Hohenstaufenstraße ansehen. Die Kanäle, die teilweise vor über hundert Jahren gebaut wurden, sind erstaunlich gut erhalten. 10.500 Kilometer lang ist das Kanal- und Druckrohrnetz und leitet pro Jahr rund 245 Millionen Kubikmeter Abwasser zu den Kläranlagen. 152 Pumpwerke sind dazu nötig. Den Geruch dort unten hatte ich mir, ehrlich gesagt, schlimmer vorgestellt.

In der Kanalisation

Dort unten jedenfalls habe ich mir reichlich Anregungen geholt für das, was Hendrik, Diana und Gregor bei der Aufklärung ihres neuesten Falles erleben.

In der Kanalisation

Quellen:

 


 

Serie: Weimarer Republik / Zwanziger Jahre / 20er Jahre (14)

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