Okkultismus in der Weimarer Republik


Theosophie („Gottesweisheit“). Glaube an das Wirken jenseitiger Geister im Diesseits, wesentlich geprägt durch Helena Petrowna Blavatsky, von der die Wurzelrassenlehre stammt, nach der die Menschheit eine Entwicklung von niederen zu höheren Rassenstadien durchlaufe.

 

Ariosophie („Arierweisheit“). Begründet von Guido von List und Georg Lanz von Liebenfels, Weiterentwicklung der Theosophie unter Verwendung von Versatzstücken aus Germanentum, Skaldendichtung und Runenlehre. Nach List seien die arischen Rassen allein kulturschöpferisch tätig. Lanz von Liebenfels, der auch die Zeitschrift „Ostara“ herausgab, propagierte in einer wirren „Theozoologie“, die „Minderrassigen“ würden mittels Promiskuität versuchen, die Arier auf eine niedrigere Stufe der Evolutionsleiter herunterzuziehen.

 

Germanenorden / Thule-Gesellschaft. Der Germanenorden, dem es um die Schaffung einer rassereinen Nation ging, war logenartig aufgebaut und pflegte nach dem Vorbild der Freimaurer die Geheimnistuerei. Der Orden war so etwas wie die geheime Kommandozentrale der völkischen Bewegung und diente zugleich als Tarnorganisation für die Rekrutierung politischer Attentäter. Zur Verschleierung ihrer Aktivitäten benannte sich der Orden in Thule-Gesellschaft um, nach einer Studiengruppe, die Ahnenforschung betrieb. Unter anderem war Rudolf Heß Mitglied. Ihre Zeitschrift war der Münchener Beobachter, den die Nationalsozialisten später übernahmen und in Völkischer Beobachter umbenannten. Rudolf Freiherr von Sebottendorff gründete innerhalb der Thule-Gesellschaft den Thule-Kampfbund, um die Münchner Räteregierung zu bekämpfen.

 

Astrologie. Aufgrund der Entdeckung des Planeten Pluto im Jahr 1930 musste das astrologische System neu ausgerichtet werden, was die Astrologen in nicht geringe Schwierigkeiten brachte. Elsbeth Ebertin, eine bekannte Astrologin jener Zeit, veröffentlichte bereits 1924 ein „prophetisches“ Horoskop Hitlers.

   

 

Ludendorff-Bewegung. Mathilde Ludendorff, die zweite Frau des Feldherrn, hielt sich für eine Seherin und entwickelte aus Germanentümelei, christlichen Versatzstücken, Antisemitismus und Verschwörungstheorien eine neue Religion, wobei sie von ihrem Ehemann nachhaltig unterstützt wurde.

 

Hohlwelttheorie. Diese Theorie besagt, dass sich die Menschen im Inneren der hohlen Erde befinden. Die Sonne stehe im Mittelpunkt der Erde, der Druck ihrer Strahlen halte uns auf der Innenfläche fest. Die Sterne seien nichts als eine Illusion, eine Wolke aus blauem Gas, in der Lichtpunkte aufleuchten.

 

Welteislehre. Hanns Hörbiger, der Vater der Schauspieler Attila und Paul Hörbiger, entwickelte diese Lehre, nach der sich das Universum in einem ständigen Kampf zwischen Sonnen- und Eisplaneten befinde, wodurch es einerseits zu Katastrophen, andererseits zu Neubildungen komme. Eisdunst habe die Milchstraße gebildet, Eisklumpen, die beim Eintritt in die Erdatmosphäre zerplatzten, würden als Sternschnuppen wahrgenommen werden und seien die Ursache für Regen und Hagel. Heinrich Himmler war ein überzeugter Anhänger der Welteislehre.

 

Spiritismus. Spiritismus, das Tischerücken, die Beschwörung von Geistern und die Anrufung Verstorbener, war um die Jahrhundertwende sehr beliebt. Auch Arthur Conan Doyle, der Schöpfer des Sherlock Holmes, glaubte daran. Nach seinem Tod wurde in der Royal Albert Hall eine spiritistische Totenfeier abgehalten.

 

Erik Jan Hanussen, ein angeblicher Hellseher, versuchte, sich den Nazis anzudienen, obwohl er Jude war, was für ihn jedoch tödlich ausging. Vom 23. auf den 24. März 1933 wurde er von einem SA-Kommando verhaftet und erschossen.

 

Quellen:

 

Die okkulte Seite der dreißiger Jahre ist Thema des Romans "Dolchstoß!".

 


 

Serie: Weimarer Republik / Dreißiger Jahre / 30er Jahre (18)

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