Rauschgift in der Weimarer Republik


Während des Ersten Weltkrieges wurde den verletzten Soldaten oft gedankenlos Morphium gespritzt, um die Schmerzen erträglich zu machen, mit der Folge, dass mit Ende des Krieges zahllose Abhängige in die Heimat entlassen wurden. Die Auflösung der Sanitätsdepots bewirkte, dass riesige Mengen Morphin und Kokain unkontrolliert unter die Bevölkerung geriet. Zudem importierte Deutschland 1924 allein aus der Türkei 54.539 Kilo Opium und zusätzliche Mengen aus Holland. Bestechliche Ärzte, Überfälle auf Apotheken oder Rezeptfälschungen sorgten dafür, dass Süchtige auch weiterhin an ihren Stoff kamen.

Die Versuche, dem Einhalt zu gebieten, geschahen eher zögerlich, nicht zuletzt, weil das Deutsche Reich der größte Alkaloidproduzent war und kein Interesse daran hatte, sich das Geschäft kaputtmachen zu lassen. Hinzu kam ein mangelndes Bewusstsein für die Gefahren der Suchtabhängigkeit, was sich unter anderem dadurch ausdrückte, dass bis in die Zwanzigerjahre hinein zahlreiche Medikamente, insbesondere Hustenmittel, mit Morphin- und sogar Heroinzusatz auf den Markt gebracht wurden.

Gesetzliche Maßnahmen: 1912 Haager Konvention, 1920 ratifiziert, in dem lediglich der Handel mit Rauschgift geregelt wurde; Erwerb und Besitz zum Zwecke der Heilung waren weiterhin möglich, und wer Drogen zum Genuss konsumierte, hatte einen großen Spielraum. Ein Reichsgerichtsurteil von 1926 sorgte dafür, dass der nichtmedizinische Drogenkonsum künftig illegal war. 1929 wurde das Deutsche Opiumgesetz verabschiedet, das den gesamten Betäubungsmittelverkehr überwachte, gefolgt von einer Verordnung 1930, die Verschreiben und Abgabe von Betäubungsmitteln einschränkte.

Anita Berbers "Tanz des Lasters, des Grauens und der Ekstase"

Quellen:

Rauschgift in der Weimarer Republik, auch am Beispiel von Hermann Göring, ist Thema des Romans „Schwarzer Donnerstag“.

 

 


 

Serie: Weimarer Republik / Zwanziger Jahre / 20er Jahre (15)

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